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Elbe Skywalk geplant

Der Tourismus-GAU des letzten Jahres war die endgültige Sperrung der vorderen Meter der weltbekannten Basteiaussicht. Die Felsinnereien bestehen im Wesentlichen nur noch aus durchnässtem losen Sand – eine Stabilisierung ist nicht möglich, ein Abbruch wie beim benachbarten Warttum jederzeit möglich. Die Sperrung hat sicher einige der etwa eine Million Basteibesucher im Jahr enttäuscht. Damit das nicht so bleibt, oder gar die Touristen wegbleiben, wird jetzt ein über der lockeren Felsnase schwebender Aussichtssteg geplant. Als erstes dachte ich an einen Aprilscherz, aber die Pressemitteilung des Sächsischen Staatsministeriums der Finanzen ist vom 13.11.2017. In einer ersten Phase beginnen Sicherungsmaßnahmen gegen Steinschlag. Der schwebende Aussichtssteg wird allerdings nicht vor 2020 fertig, es wird gerade erst das Genehmigungsverfahren angeschoben. Es wundert schon, dass der Neubau eines solchen naturfremden Konstrukts in der Kernzone eines Nationalparks überhaupt möglich ist …

Die Geister, die ich rief erzeugen leider auch Erosion. So stellte die Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz eine starke Zunahme der Erosion in der Umgebung einiger Stiegen fest. Auch die Häntzschelstiege steht unter kritischer Beobachtung. Nachdem sie Ende der 1980er gesperrt worden war und der Abriss drohte, ließ sich die Nationalparkverwaltung unter massiven Druck der Wanderer (mit Presseunterstützung, denn es gab noch kein Facebook o. ä.) zu einer Sanierung ‚überreden’. Im Jahr 2002 wurde die Häntzschelstiege nach allen Regeln perfekter Klettersteigbaukunst fertig gestellt. Auch wenn sie für Höhenängstliche jetzt eine größere Herausforderung ist, lockt die gute Klettersteigsicherung mit dem durchgehenden Stahlseil neue Besucherkreise an. Sogar geführte, größere Gruppen werden immer öfter gesichtet. Selbst an wettermäßig eher ungünstigen Wandertagen werden die Staus immer länger. Eine Zähleinrichtung soll 100 Tausend Stiegenbegehungen gezählt haben. Allerdings hat wohl die ungünstige Stelle zu Mehrfachzählungen geführt. Überhaupt muss deutlich mehr, und schon bei den ersten Anzeichen, etwas gegen Erosion getan werden. Frei gewordener Sand wird nun einmal bei Regen schnell weggespült, insbesondere auch nach rabiaten Waldumbauarbeiten. Dafür sollte ein Nationalpark doch genug Budget zur Verfügung haben, wenn der Tourismusverband Sächsische Schweiz schon mal einen neuen Nachwendeübernachtungsrekord ankündigt!?

Der Waldumbau im Nationalpark Sächsische Schweiz beschleunigt sich durch unerwartet neue Hilfe: den Borkenkäfer. Dieser vermehrt sich in Schüben exponentiell. Im letzten Jahr hat die Verbreitungsgeschwindigkeit einen neuen Rekord erreicht. Das ist kein Grund zur Panik, auch wenn es an den befallenen Stellen ein paar Jahre kahl und gespenstisch aussieht. Es wächst schnell ein junger, sichtbar vielfältiger Wald heran, der auch den tierischen Lebensraum erweitert. Um die 46 % der monotonen Fichten ist es ohnehin nicht schade, denn diese wurden ausschließlich wegen des schnellen Holzertrages angepflanzt. Um 1600 waren nur 2 % hier einheimisch. Den Waldumbau hat die Nationalparkverwaltung sowieso schon im Plan. Bis 2030 sollen 75 % der Nationalparkfläche in die sogenannte Ruhezone überführt werden (zurzeit 37,3 %), wo keine menschlichen Eingriffe mehr erfolgen sollen, also auch kein Borkenkäfer bekämpft wird. Bis dahin konkurrieren Schädling und Harvester um den schnellen ‚Ertrag’ …

Ein gesundes und naturbelassenes Wanderjahr
wünscht wanderpfade.de

Eintrag am 05.01.2018